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VORFREUDE AUF MEINEN FÜHRHUND QUASCO
Von Wolfgang Fasser, Physiotherapie-Lehrer Zeitschrift der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde Ausgabe 18; Oktober 1985 |
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An einem strahlenden Sommermorgen sitze ich freudig und erwartungsvoll im Schnellzug, welcher soeben in Basel einfährt. Vorsichtig mit dem Langstock pendelnd gehe ich über den mir unbekannten Perron. Hoppla! Da geht es nicht mehr weiter. Mein Stock stösst gegen ein Hindernis. Währenddem ich überlege, wie ich das Hindernis umgehen soll, höre ich neben mir die Stimme von Christine Rüedi, Leiterin der Schweizerischen Schule für Blindenführhunde: „Um solche Hindernisse wird Sie in Zukunft Ihr Führhund Quasco problemlos herumführen!"
Nach einer kurzen Autofahrt treffen wir in der Führhundeschule ein. Wir treten in den Vorraum des Zwingergebäudes. Ich bin riesig gespannt auf die erste Begegnung mit meinem zukünftigen Weggefährten. Bevor ich noch die anwesenden Mitarbeiter der Führhundeschule begrüssen kann, kommt Quasco auf mich zugerannt, springt an mir hoch und leckt mein Gesicht! Er begrüsst mich stürmisch wie einen alten Bekannten, dreht sich im Kreis und wedelt heftig mit dem Schwanz. Mit meinen Händen betrachte ich streichelnd meinen neuen Freund: Er ist gross, stolz trägt er seinen breiten Kopf mit weichen Ohren, stämmig postiert er seinen imponierenden Brustkorb, sein Fell ist kurzhaarig, glatt und glänzend, sein kräftiger Schwanz ist immer in Bewegung. Selbstbewusst steht er in der Mitte des Raumes. Ich glaube, er weiss, jetzt geht es um ihn! Nun werden mir die Mitarbeiter der Führhundeschule vorgestellt und wir setzen uns gemütlich zum gemeinsamen Gespräch um den runden Tisch. Das Team möchte von mir wissen, wie ich dazu komme, mich für einen Führhund zu bewerben, wie ich ihn einsetzen möchte, wie mein Zuhause, meine Arbeit und mein Arbeitsweg aussehen, auch wie ich meine Freizeit mit dem Hund zu gestalten gedenke. Christine Rüedi und ihre Mitarbeiter klären mich über die Bedürfnisse und über die daraus erwachsende Verantwortung auf. Während des ganzen Gesprächs liegt Quasco ruhig neben mir und hat seinen Kopf unter meinem Stuhl platziert. Anschliessend zeigt mir André Meyer, er ist Quascos Ausbilder, die Zwingeranlagen und den Auslauf, wo sich gerade die ganze Hundeschar tummelt. Jetzt ist es soweit: André Meyer holt das Führgeschirr, und wir gehen zu Dritt vor das Haus. Quasco ist ganz aufgeregt und wedelt mit dem Schwanz. André Meyer zeigt mir, wie das Führgeschirr angelegt wird und übergibt mir den Führbügel. Ohne zu zögern beginnt Quasco zu gehen, schaut kurz zurück, ob sein Lehrer mit von der Partie ist, jetzt geht es los! Nach einem Moment der Unsicherheit überwältigt mich ein Glücksgefühl! Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit überzeugen mich mit einem Schlag von der Richtigkeit meiner Entscheidung! Ich kann ganz frei gehen, entspannt, aufgerichtet wie selten zuvor, und es fällt mir auf, dass ich meine Umgebung viel intensiver wahrnehmen kann. Ich bin gerührt ob der Sorgfalt und Genauigkeit, mit welcher Quasco seine Arbeit verrichtet. Er hält zum Beispiel bei einem grossen Stein auf dem Weg kurz an, verlangsamt das Tempo auf nassem Terrain und weicht sogar elegant einem Kuhfladen aus! Bei einer Wegabzweigung kurz vor der Schule biegt Quasco links ein, stoppt kurz und schaut zu André Meyer, welcher liebevoll zu ihm sagt: „Vai!", was soviel heisst wie: „Du kannst gehen, wo Du willst!", worauf Quasco den von ihm eingeschlagenen Weg zur Schule geht. Nun besprechen wir den Zeitpunkt der Abgabe und der Einführung. Wir wählen eine Zeit, in der ich Ferien habe und mich ausschliesslich Quasco widmen kann. Seit meinem Besuch in der Führhundeschule durchlebe ich meinen Alltag oft in geistiger Begleitung von Quasco. Ich stelle mir vor, wie es sein wird, wenn wir dann zusammen zur Arbeit gehen, er mit mir in den Unterrichtsstunden sitzt und wir zusammen durch den Wald bummeln. Obwohl ich seit 10 Jahren mit meinem Langstock in einer Grossstadt gelebt und die halbe Welt bereist habe, kann ich jetzt erkennen, wie anstrengend und nervenbelastend die Fortbewegung mit dem Langstock ist. Ich werde dankbar sein, die durch den Führhund freiwerdenden Kräfte zum Vergnügen und zu meiner Erholung einsetzen zu können. Anfangs August nahm ich die Gelegenheit wahr, an einem der monatlich durchgeführten Besuchstage mit befreundeten Führhundehaltern teilzunehmen. Neben den interessanten Vorführungen und Informationen habe ich mich besonders über das Wiedersehen und Zusammensein mit Quasco gefreut. |
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Kurze Zeit später wollte es der Zufall, dass ich die Patenfamilie Suter aus Oberbottigen kennenlernte. Sie erzählte mir von Quascos Jugendstreichen und freute sich, mir zu begegnen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich Familie Suter für ihre Hingabe und ihr grosses Engagement bei der Aufzucht meines Führhundes herzlich danken.
In freudiger Erwartung zähle ich nun die Wochen, bis ich anfangs Oktober zur Einführung nach Allschwil reisen werde. Auch wenn Quasco noch nicht hier ist, gehört er schon ganz zu mir. So träumte mir unlängst, dass Quasco und ich im Garten vor meinem Arbeitszimmer sitzen. Ich bin Christine Rüedi und ihren Mitarbeitern für ihre so gründliche Abklärung und Orientierung sehr dankbar, ist doch das Leben mit einem Führhund etwas völlig Neues für mich. Mit Quasco beginne ich einen neuen Lebensabschnitt!
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