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Myofasziale Gelenkmobilisationen bei CP-Kindern von W.Pfaffenrot |
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Therapien der Bewegungsstörungen bei CP-Kindern sind häufig Gegenstand kontroverser Fachdiskussion ebenso im Bereich der Physiotherapie als auch bei Neurologen und Orthopäden. Es geht dabei um die Suche nach Möglichkeiten, wie bisher angewandte Behandlungsmethoden zu verbessern oder zu ergänzen wären.
Bei spastischen Zerebralparesen ist der Muskelretraktionsprozeß beeinträchtigt. Dadurch sind die Muskelfasern, z. B. der Gelenkbeuger, langfristig verspannt, verkürzt und verdickt. Sie komprimieren und ischämisieren sich im eigenen, schlecht dehnbaren faszialen Sack. Das führt zu teilweise aseptischen und fibrotischen Änderungen der Fasern und Muskelschwäche.
GIeichzeitig mit der Beugerrigidität und Verkürzung bildet sich eine Fehlstellung im betroffenen Gelenk.
Die Strecker erleben dabei eine ständige Dehnung und reflektorische "Abschaltung" aus dem normalen Bewegungsmuster. Die Faszien verlieren bei dieser Bewegungsarmut ihre Elastizität, und das führt zu weiteren Muskelverspannungen, die man aber durch eine sanfte Faszienreizung schnell und erfolgreich abbauen kann. Diese myofaszialen Techniken erhalten folgende Handgriffe: Hautdehnung, gehaltener Druck, Bindegewebefaltung und myofasziale Verschiebung. Sie werden erfolgreich von Osteopathen in der Schmerztherapie bei vertebragenen und degenerativen Beschwerden benutzt. Aber uns ist es nicht gelungen, Hinweise zu finden, daß diese Handgriffe bei CP-Patienten anwendbar sind. Unseren bisherigen Erfahrungen nach sind aber bei den CP-Kindern diese Techniken besonders erfolgreich und äußern sich häufig durch überraschende Sekundenphänomene. Wo und wie das Bindegewebe gedehnt, gefaltet, gedrückt und verschoben werden soll, ergibt sich aus dem palpatorischen Untersuchungsbefund. Durch die Palpation kann man verschiedene Zustände von allen Komponenten der Weichteile differenzieren: die Lokaltemperatur, die Hautfeuchtigkeit, Widerstand und Beweglichkeit der Schichten, den Muskeltonus usw. Bestimmte Eigenschaften des Weichteilgewebes, wie Dichte, Elastizität, Dehnbarkeit sind palpatorisch zu prüfen, wobei man einen mehr oder weniger ausgeprägten Widerstand des Gewebes - das sogenannte Barrierephänomen - ertasten kann . Allgemein weisen Bewegungsstörungen dieser Art Veränderungen der oben genannten Eigenschaften auf. Bei entsprechender Erfahrung kann man umgehend alle indurativen Verdichtungen, sowie auch Verspannungen, Verkürzungen, Unbeweglichkeit, Elastizitätminderung etc. feststellen. Dabei unterscheidet man drei Arten von Barrieren: anatomische, physiologische und pathologische. Die anatomischen Grenzen werden meistens bei den Gelenkuntersuchungen beobachtet. Die physiologische Barriere der Weichteile zeigt sich als weichfedernder elastischer Widerstand gegen einen Druck, eine Dehnung oder Verschiebung. Die pathologische Barriere ist durch eine unelastische harte Bewegungseinschränkung gekennzeichnet. Dabei ist es gleichgültig, ob man einen Druck, eine Falte, Dehnung oder Verschiebung an den Geweben vornimmt. Es ist aber auf eine sehr nützliche Eigenschaft der Weichgewebe, die sie in jedem pathologischen und normalen Zustand haben, hinzuweisen: Wenn man sie mit einer minimalen Kraft reizt, dann erreicht man die sogenannte Vorspannung der Schichten. Und wenn man diese Verspannung einige Sekunden fixiert, dann erfolgt eine plötzliche Entspannung der Gewebe, die sich reflektorisch auch auf die tieferliegenden Schichten übertragen kann. Manuell merkt man, wie die Spannungsbarriere nachgelassen hat, und stufenartig erreicht man eine neue Sperre, die auch nachgeben kann, wenn eine neue Vorspannung wieder einige Sekunden leicht gehalten wird. Dieses Phänomen ist der Grundstein der Weichteiltechniken und funktioniert besondesg auffällig bei Patienten mit einem erhöhten Muskeltonus, aber dafür haben wir keine Hinweise in der Fachliteratur gefunden. Die Hautdehnung wird mit den Daumenballen, Ulnarkanten oder Handwurzeln vorgenommen. Dadurch kann man erfolgreich die hyperalgetischen Zonen löschen. Der Druck wird mit Fingerkuppe, Daumenballen, Handwurzel und sogar mit dem Ellbogen gehalten. Man muß nur aufpassen, daß die Reizung entsprechend der Größe und den konstitutionellen Eigenschaften des Patienten gleichzeitig stark und sanft genug bleibt. Dann merkt man, wie nach einer kurzen Vorspannung das Gewebe nachläßt, und man kommt leicht in die Tiefe bis zu einer neuen Vorspannung. Hier muß man die Druckintensität oder die Druckrichtung ein wenig ändern, um die neue Vorspannung zu erreichen, dann einige Sekunden abwarten und wieder etwas tiefer greifen. Diese Handgriffe sind besonders effektiv, wenn man die rnächtigen Rückenstrecker oder die Gesäßmuskulatur, entspannen will. Die Bindegewebefalte führt man mit Daumen und Zeigefinger durch.Man hebt mit beiden Händen die Falte auf, und durch einen zarten Zug und Dehnung erreicht man die Vorspannung, die in wenigen Sekunden eine Entspannung auslöst. Die Faltung ist besonders wirksam bei der Behandlung von hyperalgetischen Zonen und Muskelverkürzungen. Jede Bewegungsstörung wird auch von einer Bewegungseinschränkung der Faszien begleitet. Auch geringste Einschränkungen können schon ein unüberwindbares Hindernis für die Normalisierung der Muskelfunktion darstellen. Dieser Zirkulus vitiosus läßt sich mit myofaszialen Verschiebungen und Verdrehungen durchbrechen. Diese Techniken eignen sich für die Behandlung am Hals, am Rumpf und an den Extremitäten. Zum Beispiel legt man beide Hände sanft um den Hals des Patienten und verschiebt die Haut mit der Faszie superfizialis um 10-15 Grad nach rechts oder nach links. Wenn man den leichten Widerstand des Gewebes fühlt, wartet man 3 bis 10 sec ab. Diese Zeit reicht für eine Umwandlung der Vorspannung in die Entspannung. Der Handgriff ist effektiv bei Torticollis spasticus,muskulärem Schiefhals, Schluckstörungen, vermehrtem Speichelfluß, fasziozervikalen und zervikolumbalen Rigiditätsformen bei CP-Kindern. Bei Funktionsstörugen im atlantoobzipitalen Übergang dreht man den Kopf des Patienten zuerst in die deblockierte Richtung und verzieht mit der Fingerkuppe eine Hautfalte von jedem Processus mastoideus quer zur Mittellinie 2- bis 3mal durch. Dann dreht man den Kopf auf die andere Seite um und wiederholt denselben Handgriff. Viele CP-Kinder äußern deutlich eine Unruhe, wenn man sie am Kopf anfaßt. Dabei merkt man bei ihnen, daß die Kopfhaut verspannt und unbeweglich ist. Man tastet auch mehrere Punkte, wo die Aponeurose an den Schädel fixiert ist. Wenn man an diesen Punkten nur wenige Sekunden mit der Fingerkuppe einen gehaltenenDruck ausübt lösen sich diese "Verklebungen" auf, und die ganze Kopfhaut läßt sich leicht auf dem Schädel bewegen. Ab diesem Moment protestieren die Kinder auch nicht mehr, wenn man den Kopf anfaßt. Sie fühlen sich wohl und bequem, was ganz auffällig z.B. bei Kindern mit Schlafstörungen ist. Viele Eltern bedanken sich, weil sie nachts nicht mehr so oft wie zuvor das Kind umwenden, tränken, schaukeln usw. müssen. Den Arm bearbeitet man wie folgt: Das Kind liegt auf dem Rücken. Man tastet den M. pectoralis major, um die.verspannten Bündel zu lokalisieren.Quer zu ihrem Verlauf zieht man mit beiden Daumen die Haut, Unterhaut und Fascia superficialis 3- bis 4mal so durch, daß es zu einer lokalen, Hyperämie kommt. Dann nimmt man die Hand am Ellenbogen und abduziert sie sanft bis 90 Grad. Mit dem Daumen und dem Zeigefinger der freien Hand faßt man in die Achsel so hinein, daß die Finger senkrecht die Fasern von Mm. latissimus dorsi, teres major et minor und pectoralis major etwa 2 - 3 cm tief vor dem Achselrand greifen. Die beiden Muskelränder werden sanft gegeneinander bis zur Vorspannung verschoben und ein paar Sekunden in dieser Position gehalten. Dann kommt das Entspannungsphänomen, und man verschiebt den Arm aus der Seitenlage vorwärts und nach oben bis an die erste Barriere. Dann läßt man die beiden Muskelränder kurz los, um sie nun mit den Fingern wieder etwas zusammenzuschieben. Gleichzeitig mit der Streckung im Schultergelenk, streckt man den Arm auch im Ellenbogen passiv durch. Nach dem 2. bis 3. Entspannungsphänomen erreicht man meistens eine wesentliche Besserung oder sogar eine Vollstreckung im Schultergelenk, Ellenbogen und teilweise eine Öffnung der geschlossenen Hand. Die chirotherapeutische Untersuchung zeigt bei zerebralparetischen Kindern auch eine auffällige Rotationseinschränkung im Schultergelenk. Um diese wichtigen Bewegungsmöglichkeiten zu erweitern, benutzen wir den folgenden Handgriff: Mit einer Hand faßt man das Schultergelenk von oben im Bereich der Articulatio acromio-clavicularis an und drückt die Mm. deitoideus, pectoralis major, teres minor et major sanft zusammen. Die abduzierte Hand des Kindes hält man bei gebeugten Ellenbogen von der volaren Fläche fest, so daß der entlang dem Unterarm des Therapeuten Kontakt hat. Je nachdem, wie gut sich die Schulterrotatoren entspannen, dreht man die Hand des Patienten nach innen und außen bis zur erreichbaren Barriere. Dann bringt man den Arm wieder in die Abduktionslage, so daß der Unterarm senkrecht auf der Behandlungsliege steht. Mit einer Hand umfasst man die Oberarmmuskulatur in der Mitte. Die andere Hand rutscht am senkrechtstehenden Unterarm bis zum Ellenbogen, so daß die volaren Flächen des Unterarmes des Kindes und des Therapeuten flach in Kontakt sind. Bei fixierter Sehne des M.bizeps brachii verdreht man sanft den Muskelbauch 10-15 Grad in einer Richtung (Vorspannung), wartet 3-5 sec ab (Entspannung). In diesem Moment bringt man mit einem leichten Druck den Unterarm des Patienten in eine erreichbare Streckung. Dann verdreht man die Weichteilschichten des Oberarmes 10-15 Grad in die andere Richtung, wartet etwas ab und erreicht im Ellenbogen die nächste Barriere. Bei Kindern von 11 bis 13 Jahren kann man die Fehlstellungen im Ellenbogen bis 30 Grad in drei bis vier Sitzungen beseitigen. Man muß nur folgende Regeln beachten: Sanft und zart arbeiten; die Vorspannung erreichen und unbedingt ein paar Sekunden abwarten; die Entspannung für das Erreichen der nächsten Streckungsstufe nutzen. Bei schweren Fehlstellungen sind auch die paraartikulären Gewebe verspannt und vernarbt (desmogene Kontraktur). Diese Verspannung kann man palpatorisch feststellen, wenn man die Hand in der erreichten Streckung anhält. Man sieht auch die glänzende Hautfläche im Ellenbogengebiet. In diesem Fall hat oft eine diagonale Bindegewebsfaltung eine erstaunliche Wirkung. Dafür hält man die teilweise gestreckte Hand am Unterarm fest und schiebt die paraartikulären Gewebe 2-3 cm proximal und distal von der Gelenkfalte mit dem Daumen und Zeigefinger diagonal zusammen (Vorspannung). In einigen Sekunden folgt die Entspannung, und man kommt eine Stufe in der Streckung weiter. Dann wechselt man die diagonale Faltungsrichtung, und es wird eine neue Barriere erreicht. Bei-Fehlstellungen in Handgelenk und Fingern fixiert man die Sehnen im distalen Drittel des Unterarmes und verdreht die Weichteilschichten im proximalen Drittel 10-15 Grad um die Achse, wartet einige Sekunden ab, und nach dem Entspannungphänomen wechselt man die Drehungsrichtung. Je nachdem, wie die Entspannung eintritt, korrigiert man die Handstellung in die Neutralstellung oder möglicherweise in die Hyperkorrektur. Dabei tastet man die verspannten Muskelbündel im Unterarrn und verdreht den myofaszialem Block bis zur nächsten Entspannung. In diesem Moment versucht man, auch die Finger des Kindes passiv durchzustrecken. Aber bei schwerer Spastizität und Rigidität gelingt es selten. Deswegen ist es sinnvoll, schon in diesem Artikel auch einen anderen von uns entdeckten Behandlungstrick zu beschreiben, obwohl er zur Akupressur gehört. Bei fest geschlossener spastischer Hand bohrt man sich an der Ulnarkante in die Faust hinein und drückt das 4. Schwimmhäutchen mit Daumen und Zeigefinger kräftig zusammen (Zangengriff). In einigen Sekunden öffnet sich die Hand. Dann dehnt man die Handfläche mit zwei Daumen aus der Mitte bogenartig 3- bis 4mal tief durch, so dass die weissen Hautstreifen senkrecht zu den Bündeln von Mm. opponens digiti minimi et flexor pollicis brevis verlaufen. Danach reizt man das 2. Schwimmhäutchen mit einem kurzen Zangengriff. Dabei abduziert sich meistens der, in die Hand eingeschlossene, Daumen. Ein großes Problem besteht für die CP-Patienten in der Einschränkung der Supinationsmöglichkeiten. Das beschränkt die Greif- und Stützfunktion der Hand, und damit die Selbständigkeit des Kindes. In diesen Fällen bieten wir unseren folgenden Handgriff an: Man stützt den senkrecht stehenden Unterarm mit dem Ellenbogen in die Behandlungsliege. Von dorsal faßt man den Unterarm mit beiden Händen so an, daß die Zeigefinger von volar einen Querfinger distal von der Gelenkfalte die Hand des Kindes in der Korrekturstellung fixieren. Die beiden Daumen legt man auf die Dorsalfläche der Metaphysen des Os ulnaris et radialis. Die Ring- und Mittelfinger legt man dem Daumen gegenüber auf die volare Unterarm-Fläche. Mit diesen Fingern verschiebt man sanft die Haut, Unterhaut und die Faszie superfizialis am Daumen des Kindes nach oben (distal) und am Kleinfinger nach unten (proximal). Nach einigen Sekunden wandelt sich die Vorspannung in eine Entspannung der verkrampften Pronatoren, und man kann relativ weich eine weitere Supinationsbarriere erreichen. Durch die Behandlung der oberen Extremitäten ergibt sich:
Dr. Waldemar Pfaffenrot Arzt für Orthopädie, Chirotherapie und physikalische Therapie Römerstr. 23 80801 München dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. W. Pfaffenrot Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. W. Pfaffenrot.
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