Poppi 2007-02-09

Trillo- Jahresbericht 2006
von Wolfgang Fasser


Liebe Freunde

Mit Freude blicken wir auf das Taetigkeitsjahr 2006 zurueck. 12 behinderte Kinder aus der hiesigen Talschaft besuchten regelmaessig die musik- und physotherapeutischen Einzelstunden in unserem Atelier Il Trillo. 2 Kleingruppen mit 6 geistig behinderten Erwachsenen vertieften ihre Erfahrung im schoepferischen Umgang mit Stimme, Klang und Bewegung. In zusaetzlichen Projekten fuehrten wir im Kindergarten in der Primarschule Bibbiena 5 musiktherapeutische Initiativen fuer behinderte Kinder und ihre Integrationsklasse durch. Ein aehnliches Projekt realisierten wir in der Primarschule von Poppi und konnten dabei das staendig praesente Thema des Hoerens und Zuhoerens auf kreative Weise entwickeln. Letzteres als eine wichtige Voraussetzung fuer das erfolgreiche Lesen und Schreiben. Es ist uns ein Anliegen auf der Vor- und Primarschulstufe die Kinder und ihre Lehrerinnen in der Entfaltung dieses wichtigen Themas zu unterstuetzen.

In 23 offenen Veranstaltungen, offen fuer jedermann, offerierten wir gut besuchte Aktivitaeten wie Musiktherapeutische Foerderung behinderter Kinder, Improvisation, Gongkonzert, und Musik als Ausdruck unseres Daseins. Besonderes Interesse erfuhren die 12 Horchwanderungen in der Umgebung von Poppi. In allen Jahreszeiten wanderten wir der Klanglandschaft lauschend durch Feld und Wald. Fuer die Zuhausegebliebenen konnten wir an einer Abendveranstaltung besonders gut gelungene Tonaufnahmen praesentieren. Diese beiden CDs werden demnaechst veroeffentlicht (The Best of Quorle 2006/ Die 4 Jahreszeiten der Klanglandschaft in Quorle).

Es war uns eine Freude, dass die 3 Supervisionsschueler, Luppi, Guidi und Ruoso erfolgreich die Anerkennungspruefung des Berufsregisters AIM bestanden haben. Zur Zeit werden 4 junge Musiktherapeutinnen und - therapeuten in Form von Einzelstunden von mir betreut und stellen sich so der regelmaessigen Auseinandersetzung mit ihrem Denken und Handeln in der Therapie behinderter Menschen. Im Taetigkeitsjahr empfingen wir waehrend 7 Wochen 2 Praktikantinnen fuer deren Interesse und Unterstuetzung wir uns bedanken. Ein besonderer Hoehepunkt bedeutete die Studienwoche mit Physiotherapeutinnen der Gruppe um Dr. Mosetter. In 5 intensiven ganzheitlich orientierten Lehr- und Lerntagen beschaeftigten wir uns mit dem integrativen Denken und Handeln in der Therapie. Dankbar sind wir auch ueber den Besuch von Dr.med. Kurt Mosetter, fuer seine generoese Geste, unsere Kinder zu untersuchen. Seine wertvollen Empfehlungen waren sowohl uns als auch den Familien eine Bereicherung.
Unsere Zusammenarbeit mit lokalen Vereinigungen war lebendig und von gegenseitiger Anregung. So interessierten sich Jugendliche des Centro Giovane "Faros" von Pratovecchio fuer den Beruf des Musiktherapeuten. Eine private Vereinigung fuer Familien, welche alternative Freizeitgestaltungen suchen, besuchten eine unserer Horchwanderungen.
Der konstruktive Dialog mit den die Kinder umgebenden Institutionen, d.h. Schule, Gesundheitsbehoerde, Sozialdienst, Therapiedienst und Freizeiteinrichtungen ist von grosser Bedeutung. Je besser dieses Zusammenspiel aller Bemuehungen fuer das Kind umso fruchtbarer der Kontext in welchem es aufwachsen kann. In vielen Kontakten naehrten wir diesen Dialog und sind dankbar ueber die Ergebnisse. Insbesonders schaetzen wir die stetige Praesenz und das symphatische Entgegenkommen der lokalen Kinderneuropsychiaterin Dr.med Fiorenza Lazzari.

Der Austausch unserer Erfahrungen in Fachkreisen fand dieses Jahr 3 Hoehepunkte. Am 19.Mai praesentierte ich in Fidenza anlaesslich des 2.Nationalen Kongresses fuer Musiktherapie im Spitalbereich, in einem 3-stuendigen Seminar die Bedeutung der neurologischen Musiktherapie. An der Universitaet in Perugia unterrichtete ich in einem 2-taegigen Seminar angehende Heilpaedagoginnen zum Thema "Musikalische Elemente im Stuetzunterricht behinderter Kinder". Eine interessante Begegnung mit Fachleuten aus verschiedensten Gebieten fand am 29.Sept.in Albenga in Ligurien statt. Anlaesslich des internat. Kongresses fuer Psychotraumatologie war ich eingeladen den 2-stuendigen Vortrag "Dynamisches Erarbeiten des Weges in der Therapie von geburtstraumatisierten Kindern" zu halten. Die Auseinandersetzung fand eine Weiterfuehrung durch den Artikel "Musiktherapie in Italien", publiziert im Bulletin des schweiz. Fachverbandes fuer Musiktherapie Sept. 2006.
Seit dem Herbst 2005 begleitet ein in der Schweiz ansaessiger Dokumentarfilmer, Nicola Bellucci, meine Aktivitaeten rund um das Thema: Hoeren, Klang und Heilung. Die Aufnahmen werden bis im Sommer 2007 dauern und wir erwarten mit Neugier den fuer das Schweizer Fernsehen vorgesehenen einstuendigen Film.

Hand in Hand: Unsere Solidaritaetsgruppe waechst. Erfreulich ist die Festigung und Zunahme rund um das Kindermusikprojekt Il Trillo. 150 Personen aus Italien, Schweiz und Deutschland denken, fuehlen und traeumen mit uns und unterstuetzen sein Werden tatkraeftig. Ihnen allen gebuehrt herzlichen Dank. Dank den generoesen Spenden konnten wir den Behandlungspreis im Berichtsjahr unveraendert seit 2000 auf 18 Euro pro Behandlungsstunde belassen. Es ist uns ein Anliegen, allen Kindern, auch jenen aus armen Familien, eine regelmaessige und ihrer Entwicklung entsprechende Therapie offerieren zu koennen.

Perspektiven 2007 : Im kommenden Jahr wollen wir die Therapieaktivitaeten weiterfuehren und alle musiktherapeutischen Projekte in den staaatlichen Kindergaerten und Primarschulen trotz fehlender Ressourcen realisieren. Die Horchwanderungen werden zahlreich ausgefuehrt und durch den Besuch des in Europa nahmhaften Bioakkustiker Walter Tilgner bereichert werden. Anfangs Juni ist ein nationaler Studientag zum Thema "Musiktherapie mit behinderten Kindern" in Poppi geplant. Gerne informieren wir alle unsere Freunde fortlaufend ueber die Aktivitaeten und empfehlen regelmaessig die Homepage www.IlTrillo.org zu besuchen.

So verbleiben wir mit herzlichem Dank und wuenschen unsern Freunden in der Schweiz und Deutschland alles Gute.

Wolfgang Fasser
Praesident des gemeinnuetzigen Vereines Il Trillo.